Nein, ich halte es nicht für unmöglich, dass es Gedichte gibt - Lyrik aus Luxemburg

In Lesung & Gespräch Ulrike Bail, Guy Helminger, Chris Lauer
Musik Luc Spada, Moderation Karolina Golimowska


Mittwoch 10.12.2025, 19:30 Uhr
Haus für Poesie
Knaackstr. 97 (Kulturbrauerei)
10435 Berlin

Tickets hier ( € 8,65 - / € 5,65 -)

 

 


Die Dichterin und Theologin Ulrike Bail (geboren 1960 in Metzingen) liest unter anderem aus ihrem im vergangenen Jahr im Conte Verlag erschienenen Band im halblichten geäst deines atems. In ihren Gedichten entfaltet sich ein zunehmendes Lauschen, ein Hineintasten in ein „aufgelichtetes stück forst“, in dem eine Stimmgabel im Totholz erklingt und ein gefällter Baum sich noch im Fallen am Menschen rächt. Einmal heißt es: „zerreibe ich die nadeln einer douglastanne / in der hand stellt sich mein vater neben / mich.“ Bail erzählt von Gewehrkugeln in Fichten und Kiefern bei Piaśnica, die bei Gewitter Blitze auf sich ziehen, und vom „wellenblättrigen sternmoos“, das in Schluchtwäldern gedeiht. Natur wird hier zu einem Speichermedium von Geschichte – einem seltenen Beispiel stiller Zeugenschaft.

Der Prosaschriftsteller und Dichter Guy Helminger (geboren 1963 in Esch/Alzette) liest aus seinen beiden jüngsten Gedichtbänden: Die Tagebücher der Tannen (Edition Rugerup 2018) und Gebäude für Breitengrade (Elif Verlag 2025). Durch seine Texte weht der Geruch von Straßburger Terpentin – Nadelwaldbeobachtungen mit „alpinen Beifügungen“, unter einer Sonne, die Betelnüsse kaut. Es sind sprachbesessene, manchmal spielerisch überbordende Gebilde, in denen Labiale aufgeforstet und die „Teelichter der Harze“ zum Glühen gebracht werden. Helminger wurde 2022 mit dem Lyrikpreis Meran ausgezeichnet. Die Jury urteilte: „Nicht um Reichtum geht es hier, sondern um den schönen Überfluss, aus dem heraus geschenkt wird, ohne dass der Schenkende augenscheinlich die Strapazen der Ver ausgabung auf sich nehmen müsste.“

Chris Lauer (geboren 1995 in Luxemburg) debütierte 2023 mit Gut verräumte Sternschnuppen im Limbus Verlag. Der Band wurde von der Kritik als „Glücksfall für die deutschsprachige Lyrik“ gefeiert (Deutschlandfunk Kultur). Lauer schreibt über knisternde Äcker, herabrieselnde Nachmittage und das Kammerfl immern am Himmel. Die Gedichte erzählen vom Absinken des Tages und von einem stumpfen Staunen, das durch die Wochen trägt. Zugleich wird darin die Frage verhandelt, wie sich der Wunsch, begehrt zu werden, in eigenes Begehren verwandelt. Es sind Gedichte der Schwellen und Übergänge – Erinnerungen an Bierküsse auf Dorffesten und Türspaltstreitigkeiten. Neben Texten aus ihrem Debüt liest Lauer auch unveröffentlichte Gedichte, in denen sie ihre bildreiche, adjektivgesättigte Sprache weiter ausbaut. Darin tauchen Frisurenkataloge auf, die stets auf derselben Seite aufgeschlagen sind („Blunt Bob, French Cut, brennender Dornbusch“), und Brusttattoos mit klarer Botschaft an die Nachwelt: „Do not resuscitate.“

Die Musik an diesem Abend stammt von dem Schriftsteller und Musiker Luc Spada (geboren 1985 in Luxemburg). Der literarische Popkünstler vereint Rap, Spoken Word und poetisches Storytelling zu einem eigenen Klangkosmos. Er veröffentlichte zudem bereits zwei Lyrikbände, so sehr du mich auch willst, du wirst mich immer mehr wollen (Esch/Sauer 2010) und fass mich an (Binsfeld Éditions 2017). Luc Spada wird an diesem Abend Songs seiner neuen EP Alles nur Poetry sowie Stücke aus seinem 2021 erschienenen Album Ciao Luca präsentieren.

Im Anschluss an die Veranstaltung werden Sie auf ein Glas Wein eingeladen.

Eine gemeinsame Veranstaltung des Hauses für Poesie und der Maison du Grand Duché de Luxemburg Berlin / Botschaft des Großherzogtums Luxemburg.

Mit freundlicher Unterstützung des Centre nationale de littérature CNL