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THEATER | Deutsch-luxemburgische Koproduktion „Das Leben ein Traum. Caldéron.“ bei den Ruhrfestspielen | 21.01.2017, 19.30 Uhr
Pasolini war fasziniert von Calderóns Dichtung und seinen seltsam verlorenen Geschöpfen. Zerbrechliche Marionetten in einem Dasein, das nicht des Menschens Wille, sondern die Macht der Vorhersehung lenkt. Oder, mit Pasolinis Blick: die Gewalt der Verhältnisse.
Mitten in die Träume von ’68 hinein schrieb der große italienische Filmregisseur Pier Paolo Pasolini mit Calderon seinen Abgesang auf die Revolution. Hinter progressiven Fassaden sah er da schon ganz andere Dinge heranziehen – die Zerstörung von Lebenszusammenhängen, die Auflösung gewachsener Strukturen, um das Feld vorzubereiten für den entfesselten Konsum. Seine Diagnose hat heute nichts an Sprengkraft und Aktualität verloren. Im Gegenteil. Von Calderóns berühmtem klassischen Schauspiel Das Leben ein Traum griff Pasolini nur die Bruchstücke auf, die er brauchte, um die Frage nach der Grenze zwischen Wahn und Wirklichkeit nicht nur als individuelles, sondern auch als gesellschaftliches Phänomen zu behandeln. Seine Protagonistin Rosaura, eine dieser halbwilden verlorenen Kaspar Hauser-Gestalten, ist die weibliche Antwort auf Calderóns Sigismund, den sein Vater, der König von Polen, in einen Turm sperren ließ, damit sich die unheilvolle Weissagung, dass dieser ein blutrünstiger Herrscher werde, nicht erfüllen konnte.
Frank Hoffmann wird Pasolinis radikalen Zugriff auf Calderón wieder öffnen und – wie in einem offenen Dialog mit beiden Autoren – Das Leben ein Traum neu erzählen. Begleitet wird er von großartigen Schauspielern an diesem ungewöhnlichen Abend über Träumende von heute.
©Birgit Hupfeld
21.02.2017 – 19.30 Uhr
Schauspielhaus Hannover
Prinzenstraße 9, 30159 Hannover
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